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19/08 2013

Punkband im Visier des Verfassungsschutzes

Erneut hat es der Verfassungsschutz auf eine linke Punkband abgesehen. In Brandenburg traf es jetzt die Band “Auf Bewährung”. Hier das Statement der Musiker:

Im kürzlich veröffentlichten Verfassungsschutzbericht des Landes Brandenburg, heißt es unter der Rubrik „Hass-Musik im Extremismus – 2.2 Musik mit linksextremistischen Bezügen“:

„Auf Bewährung“ (Mecklenburg-Vorpommern) trat 2012 viermal in Brandenburg auf. Im April in Luckenwalde (TF), im Mai in Neuruppin
(OPR), im Oktober in Cottbus und im Dezember in Potsdam. Auch diese Punkrockband hat auf ihrem Tonträger „Sturmwarnung“ (2009) den ungezählten „All cops are bastards“-Songs ihre Variante unter dem Titel „1312 (Hass wie noch nie)“ hinzugefügt:
„Wasserwerfer, Tränengas tagtäglich hier in diesem Land / Mein Freund und Helfer wird zum Feind, das hab ich längst erkannt. / Es geht um meine Sicherheit, die tun nur ihre Pflicht. / Doch ich bin mir sicher, sicher bin ich nicht. / (Refrain) Hass, Hass, Hass wie noch nie. / All cops are bastards, ACAB / Hass, Hass, Hass wie noch nie. / All cops are bastards, ACAB / ACAB, ACAB.“

So sehr es uns auch „ehrt“ als kleine Punkband eine solche Aufmerksamkeit zu bekommen, umso mehr kotzt uns die Erwähnung in diesem Bericht auch an. Nachdem die Band FEINE SAHNE FISCHFILET in den Jahren 2011 und 2012 bereits im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommern abgefertigt wurde (sollte ja niemandem entgangen sein, ansonsten google befragen oder sich dieses Statement zu Gemüte führen), geht die Demontierung dieser Behörde auch in anderen Bundesländern weiter. Der VS Brandenburg scheint sich sehr auf Punk-Bands spezialisiert zu haben, denn als wäre es nicht schon absurd genug eine Band wie uns in ihren Bericht aufzunehmen, die bis auf ein paar Konzerte gar nicht aktiv in ihrem Bundesland in Erscheinung tritt, müssen auch noch andere Bands wie PESTPOCKEN, GLEICHLAUFSCHWANKUNG und KLARTEXT herhalten, die z.T. ebenfalls keinen bis wenig Bezug zu Brandenburg besitzen.
Während uns eine Viertelseite gewidmet wird, werden aktive Neo-Nazi-Bands, die Eindeutig den Holocaust leugnen, lediglich am Rand erwähnt.

Bereits vor einiger Zeit haben wir bezüglich „1312 (Hass wie noch nie)“ für das Friedensfestival Ostfriesland folgendes Statement geschrieben:

Zum Lied „1.3.1.2.“ ist zu sagen, dass es etwa im Jahre 2008 entstand und auf unserem mittlerweile vergriffenen ersten Album veröffentlicht wurde. Trotz der Phrase „Don‘t fight for your country, fight for your class!“, fand das Lied durch die Stelle „als Fußballfan im Stadion, da bist du eh verhasst – zur Strafe geht’s für dich schon vor dem Spiel in‘n Knast“ regen Anklang in der politisch eher rechten Fußballszene unserer Region. Darum haben wir uns vor einiger Zeit vehement dagegen gewehrt, diesen Song von solchen Leuten instrumentalisieren zu lassen. Es ist keineswegs der Soundtrack zum „Krawalltourismus“, ganz im Gegenteil. Es ist ein Lied GEGEN die Gewalt, die uns als politische Menschen, Punkrocker und auch Stadiongänger durch die „StaatsGEWALT“ entgegengebracht wurde und wird. Durch Willkür und Unrechtmäßigkeit dreht der Staat, in Gestalt der Polizei, an einer unkontrollierbaren Gewaltspirale, die es aufzuhalten gilt. Kleinere Aktionen, wie ziviler Ungehorsam oder die angesprochenen Sitzblockaden auf Neonazi-Aufmärschen, führen dabei schon zum Erfolg. In jüngster Vergangenheit, haben wir dieses Lied häufig dem deutschen Verfassungsschutz und den Patzern bei den NSU-Ermittlungen gewidmet. Es kann in unseren Augen einfach nicht angehen, dass diese Behörde in unserem Bundesland beispielsweise der oben zitierten Band FEINE SAHNE FISCHFILET in ihrem Bericht mehr Platz einräumt, als dem NSU, der nachweislich mind. einen Mord in diesem Bundesland begangen hat (vgl.: http://www.publikative.org/2012/10/13/komplett-im-visier-des-verfassungsschutzes/). Diese und andere Aktionen schüren eine Gewisse Art von „Hass“ in uns, die wir versuchen, durch dieses Lied zu kanalisieren, Leute aufzurütteln und evtl. zum Nachdenken zu bewegen.
Obendrein gilt zu erwähnen, dass wir das Lied im Jahre 2012 mit verändertem Text neuaufgenommen haben, um ein Statement zu rechtsoffenen Bands und der sogenannten Grauzonen-Debatte innerhalb der Punk-Szene abzugeben.

Als wäre diese Aussage unsererseits eine Art Vorahnung, setzt unsere Erwähnung im Verfassungsschutzbericht Brandenburg dem Ganzen noch die Krone auf. Wir wollen gar nicht erst davon reden, wie schlecht der Verfassungsschutz des Landes Brandenburg arbeitet, denn von den von ihnen erwähnten 4 Konzerten, haben wir lediglich 3 gespielt, das Konzert in Neuruppin hat 2012 für uns gar nicht stattgefunden (was mit ein paar Klicks auf dieser Seite auch nachzuvollziehen gewesen wäre). Der Verfassungsschutz kann also nicht einmal richtig aus dem Internet abschreiben.

Wir werden uns nun mit unserem Anwalt beraten und uns weitere Handlungswege offenhalten. Zur „Feier“ des Tages könnt ihr HIER das Album mit dem betreffenden Song KOSTENLOS herunterladen.

Um es mit den Worten von Feine Sahne Fischfilet zu sagen:
„Eine Behörde, die Nazistrukturen aufbaut, Rassisten hofiert, nach dem Öffentlichwerden des NSU ihre Aktenvernichter glühen ließ und Antifaschistische Projekte weiterhin kriminalisiert, gehört abgeschafft. Dies ist und bleibt so!“